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Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus

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Als Shoa oder Holokaust wird die systematische Verfolgung und Ermordung von schätzungsweise 5,6 bis 6,3 Millionen Juden und anderer Bevölkerungsgruppen durch die Nazis/das nationalsozialistische Regime zwischen 1933 und 1945 bezeichnet.

Sie gilt als einzigartiges Verbrechen in der Geschichte, weil mit den angewendeten Methoden die zur Ermordung vorgesehenen Personen kaum eine Überlebenschance hatten, wenn sie in die Hände des NS-Machtapparats fielen. Dessen Ausrottungsabsicht betraf auch die ebenfalls als „minderwertige Fremdrasse“ definierte Minderheit der Roma und Sinti. Wobei deren damalige Verfolgung heute auch als Roma-Holokaust oder Porajmos bezeichnet wird. Die Nazis verfolgten in diesem Zeitraum weitere Millionen Polen und Russen (u. a. BürgerInnen der UdSSR), hunderttausende Behinderte in Deutschland (Euthanasiemorde), etwa 20.000 deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten, 5.000 Homosexuelle und 1.200 Zeugen Jehovas. Da sie aber nicht die völlige Ausrottung dieser Gruppen anstrebten, werden sie meist nicht in den Shoa-, Judenverfolgungs- oder Holokaustbegriff eingeschlossen.

Auch der Name „Auschwitz“ (als Abkürzung für das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau) wurde zu einem Symbol für den gesamten Völkermord. In die verschiedenen Konzentrationslager Auschwitz wurden insgesamt mehr als 1,3 Millionen Menschen aus ganz Europa deportiert. 1941 wurde die "Todesfabrik" Auschwitz-Birkenau drei Kilometer entfernt vom Stammlager KZ Auschwitz I gebaut und befand sich nahe der polnischen Stadt Oświęcim und etwa 60 km westlich von Kraków (dt. Krakau), südlich von Katowice (dt. Kattowitz) nahe an der Grenze zum damaligen Deutschen Reich und der Tschechoslowakei. Von diesen Personen wurden dort nach Schätzungen 1,1 Millionen Menschen ermordet. Eine Million davon wurden von der SS verfolgt, weil sie jüdischen Glaubens oder Herkunft waren. Dabei war Auschwitz-Birkenau nur eines der deutschen Vernichtungslager der SS, aber es war das räumlich größte Vernichtungslager, in dem am längsten gemordet wurde. Und weil viele Häftlinge hier auch als Arbeitssklaven ausgebeutet wurden, gab es hier Überlebende, die als Zeugen über die riesige "Vernichtungs-Fabrik Auschwitz" und damit auch über die Shoa insgesamt berichten konnten.

Anstelle von Shoa (aus der hebräischen Sprache) oder Judenmord wird auch von Judenvernichtung, Endlösung der Judenfrage, Todesfabriken oder Holocaust (aus dem engl. Wort) gesprochen. Bei diesen Begriffen spielt manchmal der Versuch eine Rolle, ein weniger schlimm klingendes Wort für diese Verbrechen zu benutzen.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ermordung in KZ

[Bearbeiten] Sammellager und Ghettos ab 1939

Es gab zahlreiche Sammellager für Juden, die oft jüdischer Wohnbezirk oder, besonders in der Nachkriegszeit, Ghettos genannt wurden. Das Wort Wohnbezirk oder Ghetto wurde einzig aus Tarngründen verwendet, denn eine längere Überlebenszeit der dort gefangen gehaltenen Personen war von den Verantwortlichen der NSDAP (Nazis) nie beabsichtigt.[1]

Die so genannten Ghettos wurden ab 1939 im besetzten Polen (insbesondere im so genannten Reichsgau Wartheland und im Generalgouvernement) eingerichtet. Ab 1941 auch in Tschechien und der Slowakei (Reichsprotektorat Böhmen und Mähren), in Litauen, Lettland und Weißrussland (verwaltet als Reichskommissariat Ostland und Bezirk Bialystok) sowie in der Ukraine (Reichskommissariat Ukraine), Russland, Ungarn, Moldawien, Rumänien und Griechenland.

Einer der zahlenmäßigen Höhepunkte der Shoa war die später so genannte Aktion Reinhardt, der zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 über zwei Millionen Juden sowie rund 50.000 Roma zum Opfer fielen.

In Osteuropa existierten zwischen 1939 und 1944 ungefähr 950 Sammellager (Ghettos), davon etwa 400 auf polnischem und etwa 400 auf sowjetischem Territorium.[2]

[Bearbeiten] Einzelne Konzentrationslager wurden zum Vernichtungslager ausgebaut – 1942 - 1945

Bei den 1941/42 neu gebauten beiden Konzentrationslagern (KZ Auschwitz-Birkenau bei Kraków und KZ Majdanek / Lublin)) kam von Beginn die massenhafte „Vernichtung“ (Endlösung) der als Feinde des Nationalsozialismus betrachteten Minderheiten wie die Bürger jüdischen Glaubens oder die Angehörigen der Roma und Sinti oder von Militärangehörigen hinzu.

Name / Bezeichnung Standort
(heutiges Land)
Typ Beginn der Nutzung Schließung/Befreiung Geschätzte Anzahl
der Toten
Auschwitz-Birkenau, auch Auschwitz II Polen Konzentrations-, Kriegsgefangenen-, Vernichtungslager Oktober 1941 Januar 1945 ca. 1.100.000
Majdanek (auch KL Lublin) Polen Konzentrationslager, Vernichtungslager Juli 1941 Juli 1944 78.000
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[Bearbeiten] Sechs Vernichtungslager der Aktion Reinhardt 1942/43

Die Ermordung der Juden erfolgte im Rahmen dieser "Sonderaktion" zunächst in drei Lagern. Das Vernichtungslager Belzec (ab März 1942 in Betrieb) und das Vernichtungslager Sobibor (ab Mai 1942 in Betrieb) lagen im Distrikt Lublin, das Vernichtungslager Treblinka (ab Juli 1942 in Betrieb) lag im Distrikt Warschau. Die Lager lagen in abgelegenen Gebieten, aber in der Nähe von Eisenbahnlinien. Sie waren in ihren Ausmaßen eher klein, zwischen 300 und 400 Meter breit, 400 bis 500 Meter lang.

Die Lager machten einen eher provisorischen Eindruck. Jedes Lager war anfangs mit drei Gaskammern ausgestattet. Die Tötungen wurden mit Kohlenmonoxid durchgeführt. Dieses Gas wurde wohl deshalb gewählt, weil das Personal bereits während der „Euthanasie“-Aktion damit gemordet hatte. Das Gas wurde von Dieselmotoren erzeugt. Die Ausstattung der Todeslager genügte den Ansprüchen von Anfang an nicht, so dass sehr bald Vergrößerungen durchgeführt wurden.

In jedem Lager waren 20 bis 30 Mann deutsches Personal als Kader tätig. Zur Bewachung waren 100 bis 120 Mann sogenannter Trawniki-Männer je Lager zugeteilt. Heute sind die Vernichtungslager Gedenkstätten.

Die hier aufgeführten Vernichtungslager wurden im Rahmen der so genannten SS-Aktion Reinhardt in Polen bzw. von Weißrussland errichtet, benutzt und dann wieder abgebaut.

Name / Bezeichnung Standort
(heutiges Land)
Beginn der
Nutzung
Schließung/
Befreiung
Geschätzte Anzahl
der Toten
Belzec Polen März 1942 Dezember 1942 434.508
Bronnaja Gora (Woblast Brest) Weißrussland 1942 (Deportationszüge ab Juni 42 nachgewiesen) März 1944 mehr als 50.000
Kulmhof (bei Łódź) Polen Dezember 1941 - April 1943; April 1944 Januar 1945 mindestens 160.000[3]
Maly Trostinez (bei Minsk) Weißrussland Mai 1942 Juli 1944 40.000 - 60.000
Sobibor Polen Mai 1942 Oktober 1943 250.000
Treblinka Polen Juli 1942 November 1943 mindestens 900.000[4]
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[Bearbeiten] Das Netz von Konzentrationslagern in Deutschland und den besetzten Ländern

Deutschland war überzogen von einem Netz aus Konzentrationslagern. Unter der SS-Inspektion der Konzentrationslager (Sitz in Oranienburg) gab es 24 Konzentrationslager, die als "Stammlager" weitere Konzentrationslager verwalteten. Diesen 24 Konzentrationslagern waren zuletzt weit über 1.000 Außenlager unterstellt, zum Teil unter der Bezeichnung „Außenkommando, -lager, Nebenlager“. Die Namem SS-Arbeitslager oder Polzeiliches Durchgangslager wurden auch als Tarnbegriff anstelle von "Konzentrationslager" verwendet. Ihr Zweck war zunächst: Gefängnis ohne richterliches Urteil, Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge, täglicher Terror gegen die Gefangenen unter Folter und Hunger zum Teil bis zum Mord.

Die meisten Stammlager standen in Deutschland, und zwar die Konzentrationslager Arbeitsdorf, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Groß-Rosen, Hinzert, Dora-Mittelbau, Neuengamme, Ravensbrück, Sachsenhausen und Niederhagen-Wewelsburg.

In Österreich lag das Stammlager Mauthausen.

Im besetzen Polen lagen die Stammlager KZ Auschwitz I, Auschwitz-Monowitz, Majdanek (siehe oben), Warschau, Płaszow und Stutthof.

In Estland gab es das KZ Waiwara, in Litauen Kauen, in Lettland Riga-Kaiserwald als Stammlager.

In Frankreich (im eingegliederten Elsass) gab es mit dem KZ Natzweiler-Struthof sowie in den Niederlanden mit dem KZ Herzogenbusch jeweils ein KZ-Stammlager, von denen aus weitere Konzentrationslager organisiert und verwaltet wurden.

Sammellager (siehe oben) waren vom übrigen Ort oder der Stadt abgetrennte Stadtteile, die als Jüdischer Wohnbezirk oder Jüdische Wohnsiedlung bezeichnet wurden. Allein in Osteuropa richtete die SS etwa 1939/1940 600 so genannte Ghettos ein, in denen zwischenzeitlich mindestens vier Millionen Menschen interniert worden sind. Diese "Wohnbezirke", vorübergehende Konzentrationslager, wurden von der SS meist von Anfang an nur für den vorübergehenden Einsatz eingerichtet. Es folgte entweder die Erschießung oder Deportation (Räumung oder Evakierung genannt) von dort in die KZ oder Vernichtungslager.

[Bearbeiten] Direkter Jüdischer Widerstand gegen die Vernichtungsmaßnahmen

An mindestens fünf Stellen zeigten die Opfer, dass sie nicht willenlose Opfer bleiben wollten:

  • jüdische Widerstandsgruppen, die verschiedentlich Ghettobewohnern zur Flucht verhalfen und vereinzelt kleinere Revolten initiieren konnten, so zum Beispiel in Białystok und Vilnius.
  • der Aufstand von Treblinka am 2. August 1943 (Aufstand und Massenflucht jüdischer Lagerinsassen direkt in einem Vernichtungslager)
  • Auschwitz
    • im KZ Auschwitz-Birkenau gab es in der Zeit seines Bestehens etwa 700 einzelne Fluchtversuche, von denen etwa 300 erfolgreich waren.
    • Am 15. September 1944 schlug die nach einem Fluchtversuch wiedergefangene Mala Zimetbaum, die dem Lagerwiderstand angehörte, vor ihrer Hinrichtung einen SS-Mann ins Gesicht.
    • Am 7. Oktober 1944 kam es zum verzweifelten Aufstand des jüdischen Sonderkommandos an den Gaskammern und Krematorien. Durch die Zündung des von weiblichen Gefangenen eingeschmuggelten Sprengstoffs wurde ein Teil des Krematoriums IV zerstört. 250 Gefangene versuchten eine Massenflucht.
  • Schätzungen zufolge waren europaweit bis zu 1,5 Millionen Juden am regulären militärischen Kampf, als auch im Untergrund als Partisanen aktiv am Widerstand gegen die nationalsozialistische Tyrannei beteiligt.[5]

[Bearbeiten] Todesopfer

Todesopfer der NS-Judenverfolgung aus einzelnen europäischen Ländern. Die Zahlen konnten fast nie mehr (Ausnahmen sind Dänemark, Norwegen und Luxemburg) ganz genau nachgeprüft werden. Es ist hierbei eher von einer zu niedrig geschätzen Zahl auszugehen.

(Hier nach der: Enzyklopädie des Holocaust. (Gutman, Jäckel u.a. 1998. ISBN 3492227007). Die Schätzungen über die Zahl der Todesopfer aus den einzelnen Länder gehen auseinander; stimmen in der Größenordnung überein.)


[Bearbeiten] Medien

[Bearbeiten] Literatur

1. Die Jahre der Verfolgung 1933–1939 2. Auflage, Dtv, München 2000, ISBN 3-423-30765-X
2. Die Jahre der Vernichtung 1939–1945 Beck, München 2006, ISBN 3-406-54966-7
  • Raul Hilberg: Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933–1945. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-13216-9
  • Hermann Langbein: Der Auschwitz-Prozeß. Eine Dokumentation, 2 Bände, Europa-Verlag, Wien 1965

[Bearbeiten] Zitatnachweise

  1. http://www.deathcamps.org/occupation/ghettolist.htm Liste von www.deathcamps.org, 2005
  2. http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=9180
  3. Thomas Sandkühler: Die Täter des Holocaust, in: Karl Heinrich Pohl, Wehrmacht und Vernichtungspolitik, Göttingen 1999, S. 47
  4. Thomas Sandkühler: Die Täter des Holocaust, in: Karl Heinrich Pohl, Wehrmacht und Vernichtungspolitik, Göttingen 1999, S. 47
  5. Dokumentarfilm Mit dem Mut der Verzweifelten – Jüdischer Widerstand gegen Hitler von Rena und Thomas Giefer, Deutschland 2005, unter historischer Fachberatung von Arno Lustiger. Zitat: „Zählt man [zu den Partisanen] die regulären Soldaten und Offiziere in den Armeen der Alliierten hinzu, so haben sich eineinhalb Millionen Juden am aktiven Kampf gegen die Deutschen beteiligt. Neben der Roten Armee, den Amerikanern und den Briten eine regelrechte vierte Armee, die Nazi-Deutschland besiegt und Europa befreit hat“.

[Bearbeiten] Filme

( Auswahl, chronologisch geordnet, ohne Spielfilme)

Weitere Filme siehe bei:

[Bearbeiten] Netzverweise

  • "Deutschland ein Denkmal“, die Datenbank der nationalsozialistischen Haftstätten und Lager von 1933 bis 1945 (keom.de) ist zur Zeit nicht erreichbar (Jan 2010).


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