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Johann Adam Becker

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Johann Adam Becker
* 24. Juni 1823 in Grünstadt (Königreich Bayern)
12. Januar 1871  in Grünstadt
Heimatland: Königreich Bayern
Beruf: Geodät, Soldat
Alter: 47 Jahre
Männlich
Die Bayern auf den Düppeler Schanzen, am 13. April 1849
Bayerische Tapferkeitsmedaille, Vorderseite
Bayerische Tapferkeitsmedaille, Rückseite

Johann Adam Becker (* 24. Juni 1823 in Grünstadt, Pfalz, Königreich Bayern; † 12. Januar 1871 ebenda), war im Zivilberuf Geodät. Als Soldat im 2. Bayerischen Jägerbataillon hatte er 1849, im Bundesfeldzug gegen Dänemark, für außergewöhnliche persönliche Tapferkeit bei Erstürmung der Düppeler Schanzen, die Bayerischen Tapferkeitsmedaille erhalten; für Nicht-Offiziere der höchste Militärorden des Landes.

Leben und Kriegseinsatz 1849[Bearbeiten]

Johann Adam Becker stammte aus ärmlichen Verhältnissen und wurde als Sohn der Tagelöhnersleute Philipp Ludwig Becker und Anna Maria geb. Wild in Grünstadt geboren.

Wegen des Versuchs Dänemarks, sich die deutschen Herzogtümer Schleswig und Holstein einzuverleiben bzw. zu teilen, kam es zum Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848-1850, dessen Hauptabschnitt der Bundesfeldzug gegen Dänemark 1849 bildete.

Laut Bundesbeschluß wurde eine Armee unter Führung des preußischen Generalleutnants Karl von Prittwitz aufgestellt u. nach Schleswig-Holstein entsandt. Sie bestand aus 3 Divisionen und einer Reservebrigade, zusammen ca. 35 000 bis 40 000 Mann; darunter 1 preußische Division, je 1 bayerische, 1 sächsische u. 1 hannoveranische Brigade, im übrigen Regimenter u. Bataillone fast aller deutschen Bundesstaaten, Württemberger, Braunschweiger und andere mehr. Hinzu kam das Schleswig-Holsteinische Korps mit ca. 15 000 Mann, unter General Eduard von Bonin, sowie später nochmals eine Reservedivision des Bundes, wodurch sich eine deutsche Streitmacht von etwa 60 000 Soldaten ergab. Die Dänen schickten nur 30.000 Mann ins Feld, verfügten allerdings über eine starke Flotte mit 1162 Geschützen, die sich auch nachhaltig an den Landkämpfen beteiligte.

Das bayerische Bundeskontingent, bei dem sich viele Pfälzer - u.A. auch der junge Johann Adam Becker aus Grünstadt - befanden, setzte sich zusammen aus 4 Bataillonen Infanterie (vom 4., 7., 8. u. 13. Bayerischen Infanterie-Regiment), dem 2. Bay. Jägerbataillon, dem 6. Königlich Bayerischen Chevaulegers-Regiment (leichte Kavallerie) und 16 Geschützen Artillerie mit Mannschaften. Diese Truppen bildeten die Brigade des Generalmajors Christian von Schmaltz, innerhalb der 1. Bundesdivision, welche der bayerischen Generalleutnant Prinz Eduard von Sachsen-Altenburg und dessen Generalstabschef Freiherr Ludwig von der Tann kommandierten. Die bayerische Brigade hatte am 12. März den Befehl erhalten, sich am 24. in Halle (Saale) einzufinden. Über Harburg an der Elbe u. Altona erreichten die Bayern per Eisenbahn schließlich bis zum 1. April Schleswig, in dessen Umgegend sich die 1. Bundesdivision sammelte.

Von dort stieß man gegen Norden vor u. das erste größere Gefecht, an dem sich die bayerischen Verbände beteiligten, war die Erstürmung der Schanzen auf den Düppeler Höhen, am 13. April 1849. Hierbei tat sich besonders das 2. Bayerische Jägerbataillon hervor, das mit seinen, als flexiblen Einzelkämpfern ausgebildeten Jäger-Soldaten, die Spitze bildete. Die dem Schlachtfeld eigenen, zahllosen Feldumfriedungen, "Knicks" genannt, beeinflussten Gangbarkeit, Übersicht u. Waffenwirkung sehr wesentlich und erschwerten die Führung der Truppen außerordentlich. Das heckenartig gezogene Buschwerk auf den ca. 1,50 m hohen Erdwällen (Knicks) war zur Erleichterung des Weidebetriebs zu fast undurchdringlichen Zäunen verwachsen. Auf der zentralen u. höchsten Stelle der Befestigung, stand weithin sichtbar, als Landmarke, eine Windmühle. Die Bayern traten um 01.45 Uhr nachts den Angriff auf die Düppeler Schanzen von Süden her an. Gegen 06.00 Uhr morgens war die Schlüsselstellung erobert u. befand sich in deutscher Hand. Die Brigade sammelte sich nördlich der Windmühle, welche bei einsetzender Helligkeit eine gute Zielmarkierung für die dänische Artillerie abgab. Aufgrund dänischer Gegenangriffe aus Richtung Sonderburg, wogten die Kämpfe noch bis gegen 9 Uhr abends Abend hin u. her. Die deutschen Truppen – hauptsächlich Bayern, unterstützt von wenigen kurhessischen Formationen - konnten jedoch das Terrain behaupten u. errangen den kriegsentscheidenden Sieg. Die eigenen Verluste lagen bei 3 toten Offizieren u. 50 toten Mannschaften; 10 Offiziere u. 150 Mann erlitten Verwundungen.

Bei diesem, oftmals als "Ehrentag der bayerischen Armee" bezeichneten Sturm auf die Düppeler Schanzen zeichnete sich der Jäger Johann Adam Becker aus Grünstadt, als Angehöriger des 2. Bayerischen Jägerbataillons derart aus, dass er die Bayerische Tapferkeitsmedaille in Silber verliehen bekam – den höchsten Tapferkeitsorden des Landes; verbunden mit einem Ehrensold.

Das 1898 publizierte, 3-bändige Werk „Der bayerische Soldat im Felde“ widmet dem Grünstadter und einem weiteren dekorierten Kameraden, in Band 2 (Seiten 13 u. 14), ein eigenes Kapitel mit dem Titel: „Brave Düppel-Stürmer“ . Der zeitgenössische Bericht konstatiert:

Becker bewies mutvolle Entschlossenheit und unermüdliche Ausdauer, indem er bei jedem Angriff in geöffneter Ordnung vorwärts eilte und den Drang sich hervorzuthun deutlich erkennen ließ. Bei der anfänglichen Dunkelheit ermunterte er seine Kameraden, sich durch die verschiedenen Annährungshindernisse nicht zu lange aufhalten zu lassen. Als das Bataillon sich auf höheren Befehl zurückzog und noch im Bereiche des feindlichen Feuers Stellung genommen hatte, damit die gänzlich ermüdete Mannschaft etwas ausruhen konnte, rief der Bataillonskommandant Freiwillige vor die Front, um zurückgebliebene Verwundete aufsuchen und in Sicherheit bringen zu lassen. Wieder trat Becker trotz seiner Erschöpfung augenblicklich vor, welchem Beispiele dann noch andere folgten, so daß mehrere Verletzte des 4. u. 8. Infanterie-Regiments zurückgeschafft werden konnten.

Der Bayerische Soldat im Felde, Band 2, 1898

Nach den siegreichen Kämpfen von Düppel setzten die deutschen Truppen den Vormarsch nordwärts fort. Die bayerische Brigade brach am 26. April auf u. gelangte über Apenrade u. Hadersleben, am 7. Mai, bei Kolding, erstmals auf dänischen Boden. Über Beile weiter vorrückend, griffen die Bayern am 23.Mai die Dänen in ihrer verschanzten Stellung bei Num an, weshalb diese sich nach Skanderborg zurückzogen. Ein Gefecht bei der Erkundung der deutschen Streitkräfte gegen Viborg, am 3. Juli 1849, an dem die bayerische Brigade ebenfalls teilnahm, sollte ihre letzte Waffentat in diesem Feldzug sein. Das Gros der Bundestruppen kehrte heim, denn am 15. Juli schlossen Dänemark u. der Deutsche Bund, auf Druck Englands einen Waffenstillstand zu Berlin. Dabei wurde zwar der Anschluss der Gebiete an Dänemark verhindert, doch die bisherige Regierungsgewalt des dänischen Königs blieb weiterhin unangetastet. Die Verhältnisse hatten sich also trotz des Krieges kaum verändert.

Bayern, Armee-Denkzeichen für den Bundesfeldzug 1849

König Maximilian II. von Bayern gedachte abschließend, in einem Armeebefehl vom 9. Oktober 1849, seinem gegen Dänemark eingesetzten Heereskontingent, in dem auch Johann Adam Becker aus Grünstadt gedient hatte. Außerdem stiftete er für alle bayerischen Feldzugsteilnehmer ein Erinnerungskreuz (Denkzeichen) welches auch Becker erhielt.

Im Bundesfeldzug gegen Dänemark kam es lediglich zu 18 Verleihungen der Bayerischen Tapferkeitsmedaille (5 goldene, 13 silberne), Johann Adam Becker trug eine davon.

Der Krieg um Schleswig-Holstein flammte zwar 1850 noch einmal auf, doch war dies eine rein lokale Angelegenheit, ohne den Einsatz von Bundestruppen.

Zivilleben nach dem Kriegseinsatz[Bearbeiten]

Laut Vermerk im Heiratsakt des Standesamtes, hatte Johann Adam Becker mit Datum vom 11. Juni 1850 seinen Abschied aus der bayerischen Armee genommen u. heiratete am 26. des gleichen Monats, in Grünstadt, seine Braut Johannetta Althöhn von Kerzenheim. Aus der Verbindung gingen 7 Kinder hervor. In seinen Heiratsunterlagen u. den Geburtsurkunden der ersten beiden Kinder heißt es, Becker sei ein Tagelöhner. Aber schon bei der Geburt der Tochter Elise, 1856, wurde der Kriegsveteran als „Gehilfe des Bezirksgeometers“ bezeichnet; ein sozialer Aufstieg, den er sicherlich nicht zuletzt dem enormen Renommee seines hohen Tapferkeitsordens verdankte. Johann Adam Becker starb mit nur 47 Jahren, am 12. Januar 1871. Zu dieser Zeit hatte er sich offensichtlich als Vermesser selbstständig gemacht, denn die Sterbeurkunde nennt ihn einen „Privatgeometer“. Seine Witwe überlebte ihn um 25 Jahre u. verstarb am 29. Dezember 1896 in Grünstadt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bayerisches Kriegsarchiv: „Der bayerische Soldat im Felde“, Band 2, Seiten 13 u. 14, München 1898
  • Joachim Specht: „Träger von Helmen und Pickelhauben – Grünstadter Johann Adam Becker erstürmte 1849 die Düppeler Schanzen“, Heimatjahrbuch der Kreisverwaltung Bad Dürkheim, 2007, Seiten 101 – 106, ISBN 3-926775-49-1